Papst Franziskus

                                    

Viva il Papa

 

20. August 2018

 

 SCHREIBEN VON PAPST FRANZISKUS
AN DAS VOLK GOTTES

 

»Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit« (1 Kor 12,26). Diese Worte des heiligen Paulus hallen mit Macht in meinem Herzen wider, wenn ich mir wieder einmal das Leiden vergegenwärtige, das viele Minderjährige wegen sexuellem wie Macht- und Gewissensmissbrauch seitens einer beträchtlichen Zahl von Klerikern und Ordensleuten erfahren haben. Es ist ein Verbrechen, das tiefe Wunden des Schmerzes und der Ohnmacht erzeugt, besonders bei den Opfern, aber auch bei ihren Familienangehörigen und in der gesamten Gemeinschaft, seien es Gläubige oder Nicht-Gläubige. Wenn wir auf die Vergangenheit blicken, ist es nie genug, was wir tun, wenn wir um Verzeihung bitten und versuchen, den entstandenen Schaden wiedergutzumachen. Schauen wir in die Zukunft, so wird es nie zu wenig sein, was wir tun können, um eine Kultur ins Leben zu rufen, die in der Lage ist, dass sich solche Situationen nicht nur nicht wiederholen, sondern auch keinen Raum finden, wo sie versteckt überleben könnten. Der Schmerz der Opfer und ihrer Familien ist auch unser Schmerz; deshalb müssen wir dringend noch einmal unsere Anstrengung verstärken, den Schutz von Minderjährigen und von Erwachsenen in Situationen der Anfälligkeit zu gewährleisten.

1. Wenn ein Glied leidet …

Vor einigen Tagen wurde ein Bericht veröffentlicht, in dem die Erfahrungen von mindestens tausend Personen beschrieben werden, die im Zeitraum der letzten siebzig Jahre Opfer von sexuellem wie Macht- und Gewissensmissbrauch durch Priester wurden. Auch wenn man sagen kann, dass der größte Teil der Fälle die Vergangenheit betrifft, sind wir uns doch im Laufe der Zeit über den Schmerz vieler Opfer bewusst geworden und müssen feststellen, dass die Wunden nie verschwinden und uns mit Nachdruck verpflichten, diese Gräueltaten zu verdammen, wie auch die Anstrengungen zu bündeln, um diese Kultur des Todes auszumerzen; die Wunden „verjähren nie“. Der Schmerz dieser Opfer ist eine Klage, die zum Himmel aufsteigt und die Seele berührt, die aber für lange Zeit nicht beachtet, versteckt und zum Schweigen gebracht wurde. Doch ihr Schrei war stärker als alle Maßnahmen, die danach strebten, ihn zum Schweigen zu bringen, oder auch versucht haben, ihn mit Entscheidungen zu beruhigen, die seinen Schmerz vergrößerten, weil sie in Komplizenschaft gerieten. Ein Schrei, den der Herr gehört hat. Er lässt uns wieder einmal sehen, auf welcher Seite er steht. Der Lobgesang der Maria geht nicht fehl und durchläuft die Geschichte wie eine Hintergrundmusik weiter; denn der Herr denkt an seine Verheißung, die er unseren Vätern gegeben hat: »Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen« (Lk 1,51-53). Und wir schämen uns, wenn wir uns bewusst werden, dass unser Lebensstil das verleugnet hat und verleugnet, was wir mit unserer Stimme aufsagen.

Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen, und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten, der sich in so vielen Menschenleben auswirkte. Wir haben die Kleinen vernachlässigt und allein gelassen. Ich mache mir die Worte des damaligen Kardinal Ratzingers zu eigen, der bei dem für den Karfreitag im Jahr 2005 verfassten Kreuzweg sich mit dem Schmerzensschrei so vieler Opfer verband und mit Nachdruck sagte: »Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten? All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muss doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison - Herr, rette uns (vgl. Mt 8, 25)« (Neunte Station, Betrachtung).

2. … leiden alle Glieder mit

Der Umfang und das Ausmaß der Ereignisse verlangt, sich dieser Sache in umfassender Weise mit vereinten Kräften anzunehmen. Obwohl es bei jedem Prozess der Umkehr wichtig und nötig ist, dass man sich des Vorgefallenen bewusst wird, reicht dies in sich selbst nicht aus. Heute sind wir als Volk Gottes gefragt, uns des Schmerzes unserer an Leib und Seele verwundeten Brüder und Schwestern anzunehmen. Wenn in der Vergangenheit die Unterlassung eine Form der Antwort werden konnte, so wollen wir heute, dass die Solidarität, in ihrer tiefsten und anspruchsvollsten Bedeutung, unsere Weise wird, die heutige und zukünftige Geschichte in einem Umfeld zu schreiben, wo die Konflikte, die Spannungen und besonders die Opfer jeder Form von Missbrauch eine ausgestreckte Hand finden können, die sie beschützt und aus ihrem Schmerz erlöst (vgl. Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 228). Diese Solidarität verlangt ihrerseits von uns, all das anzuprangern, was die Unversehrtheit irgendeiner Person in Gefahr bringen könnte. Es ist eine Solidarität, die zum Kampf gegen jede Art von Korruption, insbesondere der spirituellen, aufruft, »weil es sich um eine bequeme und selbstgefällige Blindheit handelt, wo schließlich alles zulässig erscheint: Unwahrheit, üble Nachrede, Egoismus und viele subtile Formen von Selbstbezogenheit – denn schon „der Satan tarnt sich als Engel des Lichts“ (2 Kor 11,14)« (Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate, 165). Der Appell des heiligen Paulus, mit den Leidenden zu leiden, ist das beste Heilmittel gegen jeden Drang, weiterhin unter uns die Worte Kains zu wiederholen: »Bin ich der Hüter meines Bruders?« (Gen 4,9).

Ich bin mir der Bemühungen und der Arbeit bewusst, die in verschiedenen Teilen der Welt unternommen wurden, um die notwendigen Vermittlungen zu gewährleisten und auszuführen, die Sicherheit geben und die Unversehrtheit der Kinder und der Erwachsenen im Zustand der Anfälligkeit schützen. Dazu gehört auch die Verbreitung der „Null-Toleranz-Haltung“ und der Maßnahmen, Rechenschaft zu fordern von allen, die diese Verbrechen begehen oder decken. Wir haben diese so notwendigen Aktionen und Sanktionen mit Verspätung angewandt, aber ich bin zuversichtlich, dass sie dazu beitragen, eine bessere Kultur des Schutzes in der Gegenwart und in der Zukunft zu gewährleisten.

Verbunden mit diesen Bemühungen ist es nötig, dass jeder Getaufte sich einbezogen weiß in diese kirchliche und soziale Umgestaltung, die wir so sehr nötig haben. Eine solche Umgestaltung verlangt die persönliche und gemeinschaftliche Umkehr. Sie leitet uns an, in die gleiche Richtung zu schauen wie der Herr. So sagte der heilige Johannes Paul II.: »Wenn wir wirklich von der Betrachtung Christi ausgegangen sind, werden wir in der Lage sein, ihn vor allem im Antlitz derer zu erkennen, mit denen er sich selbst gern identifiziert hat« (Apostolisches Schreiben Novo millennio ineunte, 49). Lernen zu schauen, wohin der Herr geschaut hat. Lernen dort zu stehen, wo der Herr uns haben will, um das Herz, das in seiner Gegenwart steht, zu bekehren. Zu diesem Zweck helfen Gebet und Buße. Ich lade das ganze heilige gläubige Volk Gottes zu dieser Bußübung des Gebets und des Fastens entsprechend der Aufforderung des Herrn[1] ein. Er weckt unser Gewissen, unsere Solidarität und unseren Einsatz für eine Kultur des Schutzes und des „Nie wieder“ gegenüber jeder Art und jeder Form von Missbrauch.

Es ist unmöglich, sich eine Umkehr des kirchlichen Handelns vorzustellen ohne die aktive Teilnahme aller Glieder des Volks Gottes. Mehr noch: Jedes Mal, wenn wir versucht haben, das Volk Gottes auszustechen, zum Schweigen zu bringen, zu übergehen oder auf kleine Eliten zu reduzieren, haben wir Gemeinschaften, Programme, theologische Entscheidungen, Spiritualitäten und Strukturen ohne Wurzeln, ohne Gedächtnis, ohne Gesicht, ohne Körper und letztendlich ohne Leben geschaffen[2]. Das zeigt sich deutlich in einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche – sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen wie des Macht- und Gewissensmissbrauchs ereignet haben –, nämlich als Klerikalismus, jene Haltung, die »nicht nur die Persönlichkeit der Christen zunichte [macht], sondern dazu [neigt], die Taufgnade zu mindern und unterzubewerten, die der Heilige Geist in das Herz unseres Volkes eingegossen hat«[3]. Der Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, erzeugt eine Spaltung im Leib der Kirche, die dazu anstiftet und beiträgt, viele der Übel, die wir heute beklagen, weiterlaufen zu lassen. Zum Missbrauch Nein zu sagen, heißt zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen.

Es ist immer gut, sich daran zu erinnern, dass der Herr »in der Heilsgeschichte ein Volk gerettet [hat]. Es gibt keine vollständige Identität ohne Zugehörigkeit zu einem Volk. Deshalb kann sich niemand allein, als isoliertes Individuum, retten, sondern Gott zieht uns an, wobei er das komplexe Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen berücksichtigt, das der menschlichen Gemeinschaft innewohnt: Gott wollte in eine soziale Dynamik eintreten, in die Dynamik eines Volkes« (Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate, 6). Deshalb ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, um auf dieses Übel, das so viele Leben geraubt hat, zu antworten, es als Aufgabe zu leben, die uns alle als Volk Gottes einbezieht und betrifft. Dieses Bewusstsein, dass wir uns als Teil eines Volkes und einer gemeinsamen Geschichte fühlen, gestattet uns, unsere Sünden und die Fehler der Vergangenheit in einer bußfertigen Offenheit zu erkennen, die fähig ist, sich von innen her erneuern zu lassen. Alles, was man unternimmt, um die Kultur des Missbrauchs aus unseren Gemeinschaften auszumerzen, ohne alle Glieder der Kirche aktiv daran teilhaben zu lassen, wird nicht dazu in der Lage sein, die nötigen Dynamiken für eine gesunde und wirksame Umgestaltung zu erzeugen. Die büßende Dimension des Fastens und des Gebets wird uns als Volk Gottes helfen, uns vor den Herrn und vor unsere verwundeten Brüder und Schwestern zu stellen – als Sünder, die die Verzeihung sowie die Gnade der Scham und der Umkehr erflehen und somit Maßnahmen erarbeiten, die Dynamiken im Einklang mit dem Evangelium erzeugen. Denn »jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 11).

Es ist unumgänglich, dass wir als Kirche die von Ordensleuten und Priestern begangenen Gräueltaten wie auch die von all jenen, die den Auftrag hatten, die am meisten Verwundbaren zu behüten und zu beschützen, anerkennen und mit Schmerz und Scham verdammen. Wir bitten um Vergebung für die eigenen und für die Sünden anderer. Das Bewusstsein der Sünde hilft uns, die Fehler, die Vergehen und die in der Vergangenheit verursachten Wunden anzuerkennen, und es gestattet uns, uns zu öffnen und in der Gegenwart stärker für einen Weg erneuerter Umkehr einzusetzen.

Zugleich werden uns die Buße und das Gebet helfen, unsere Augen und unser Herz für das Leiden der anderen zu schärfen und die Begierde des Herrschens und des Besitzens zu besiegen, die so oft die Wurzel dieser Übel sind. Möge das Fasten und das Gebet unsere Ohren öffnen für den leisen Schmerz der Kinder, der Jugendlichen und der Behinderten. Fasten, das uns Hunger und Durst nach Gerechtigkeit schaffen und uns antreiben möge, in der Wahrheit zu wandeln und uns auf alle Rechtsmittel zu stützen, die nötig sind. Ein Fasten, das uns schüttelt und uns dazu bringt, uns mit allen Menschen guten Willens und der Gesellschaft insgesamt in der Wahrheit und in der Liebe zu engagieren, um jede Art von sexuellem wie Macht- und Gewissensmissbrauch zu bekämpfen.

Auf diese Weise werden wir unseren Auftrag deutlich machen können, zu dem wir berufen sind, nämlich »Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Lumen gentium, 1) zu sein.

»Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit«, sagte uns der heilige Paulus. Mittels der betenden und büßenden Haltung können wir in persönlichen und gemeinschaftlichen Einklang mit dieser Mahnung eintreten, auf dass unter uns die Gaben des Mitleids, der Gerechtigkeit, der Vorbeugung und der Wiedergutmachung wachsen mögen. Maria hat es vermocht, am Fuß des Kreuzes ihres Sohnes zu stehen. Sie hat es nicht in irgendeiner Weise getan, sondern sie stand aufrecht und direkt daneben. Mit dieser Haltung bekundet sie ihre Weise, im Leben zu stehen. Wenn wir die Trostlosigkeit erfahren, die uns diese kirchlichen Wunden verursacht, wird es uns mit Maria guttun, „mit Maria mehr im Gebet zu verharren“ (Ignatius von Loyola, Geistliche Exerzitien, 319), indem wir versuchen, in der Liebe und der Treue zur Kirche zu wachsen. Sie, die erste Jüngerin, lehrt uns Jünger alle, wie wir uns angesichts des Leidens des Unschuldigen zu verhalten haben, ohne Ausflüchte und Verzagtheit. Auf Maria zu schauen heißt entdecken lernen, wo und wie wir als Jünger Christi zu stehen haben.

Der Heilige Geist schenke uns die Gnade der Umkehr und die innere Stärkung, damit wir unsere Reue angesichts dieser Verbrechen des Missbrauchs zum Ausdruck bringen können und unsere Entscheidung, sie mutig zu bekämpfen.

Aus dem Vatikan, am 20. August 2018

Franziskus 

 

 

 

 

 

 

 

 

25.06.2018

 
Papst mahnt Wissenschaftler zu umfassender Bioethik

Die Heiligkeit jedes Lebens
Papst Franziskus hat die Biowissenschaften an die Würde des menschlichen Lebens in allen Phasen erinnert. Es genügten weder rein rechtliche Regelungen noch technische Hilfen allein, um das Leben auch in schwierigsten Umständen zu schützen.

Bioethik müsse menschliches Leben von der Empfängnis bis zum Tod ebenso berücksichtigen wie die sozialen und ökologischen Zusammenhänge, in denen es stehe, sagte der Papst am Montag vor Teilnehmern eines bioethischen Kongresses im Vatikan. Daher brauche es ebenso "eine angemessene Unterstützung durch verantwortliche menschliche Nähe", betonte Franziskus.

Er wünsche sich eine "Konversion zu einer zeitgemäßen ganzheitlichen menschlichen Ökologie", wie er sie in seiner Enzyklika "Laudato si" dargelegt habe, so der Papst. Dazu gehöre die Überzeugung, dass alles in der Welt miteinander verbunden sei und das menschliche Leben sich Gott verdanke und in ihm sein Ziel habe.

Gesundheit, Schwangerschaft, wirtschaftliche Ungleichheit

Franziskus verlangte weiter eine "genaue Unterscheidung der komplexen fundamentalen Unterschiede menschlichen Lebens". Dies gelte für "Mann und Frau, Vaterschaft und Mutterschaft, Kindschaft und Geschwisterlichkeit" ebenso wie der jeweiligen gesellschaftlichen Zugehörigkeit sowie allen Altersphasen. Ebenso bekräftigte der Papst die Heiligkeit jedes Lebens, des noch ungeborenen, wie das "des Armen, der schon geboren ist".

An diesem Montag beginnt im Vatikan eine dreitägige Konferenz der Päpstlichen Akademie für das Leben über Bioethik. Das Treffen von rund 300 Experten ist zugleich die 24. Vollversammlung der Akademie und steht unter dem Thema "Equal beginnings. But then? A global responsibility". Dabei geht es unter anderem um Fragen vorgeburtlicher Gesundheit und Schwangerschaft, wirtschaftliche Ungleichheit bei der Geburt, Migration und Pränataldiagnostik.

 


 

Lesen Sie Hier sein Schreiben  Enciclica-laudato-si_ge

 

Gott liebt als Vater und als Mutter
Der Herr ist treu, er vergisst keines seiner Kinder – er liebt wie eine Mutter: daran hat Papst Franziskus in der Frühmesse an diesem Donnerstag erinnert. „Ewig denkt er an seinen Bund“, heißt es im Antwortpsalm der Liturgie, und die Lesung spricht von dem treuen Bund Gottes mit Abraham und seinen Nachkommen „Generation um Generation“. (22.3.2018)

 

 

 

Messfeier mit Papst Franzikus

 

 

 

 

 

Papst ruft bei Christmette zu Mitgefühl für Verfolgte auf

Aus Angst muss Liebe werden


Franziskus vergleicht in seiner Christmette das Schicksal von Maria und Josef mit heutigen Flüchtlingen. Der Papst sagt: Aus Angst vor Fremden muss Liebe werden.

An Heiligabend hat Papst Franziskus im Vatikan die Christmette gefeiert. Zu der Messe versammelten sich zahlreiche Kardinäle und Bischöfe sowie Tausende Besucher im Petersdom. Gemäß dem Thema des Gottesdienstes, der Geburt Jesu in einem Stall zur Zeit des Kaisers Augustus, wurde vor allem für Regierende und für die Familie gebetet. Eine Fürbitte war der Jugend gewidmet. Die Fürbitten wurden auch auf Chinesisch, Arabisch und Bengali vorgetragen.

Zu Beginn der Feier verehrte das Kirchenoberhaupt von weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken eine Figur des Jesuskindes vor dem Hauptaltar. Kinder aus aller Welt brachten Blumengebinde; sie kamen etwa aus China, Afrika, der Schweiz sowie aus Chile und Peru. Die letzteren beiden Länder besucht Franziskus Mitte Januar.

In seiner Predigt erinnerte Franziskus besonders an Vertriebene und warb für eine Willkommenskultur. Weihnachten müsse die Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit aufwecken und die Augen für das Leid der Menschen öffnen, sagte er bei der Christmette. Auch heute gebe es "Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden", so Franziskus.

Vertrauen aufbauen

Der Grund zur Flucht sei heute oft einzig und allein die Hoffnung zu überleben, betonte der Papst. Es gehe darum, "die aktuellen Nachfolger des Herodes zu überleben, die zur Durchsetzung ihrer Macht und zur Mehrung ihrer Reichtümer nicht davor zurückschrecken, unschuldiges Blut zu vergießen". Franziskus warb stattdessen für Nächstenliebe: Weihnachten sei der Zeitpunkt, um "die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln".

Der Papst rief die Christen auf, "inmitten von Spannungen und Konflikten" Gastfreundschaft zu fördern. Auch Maria und Josef seien damals gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen. Zu Weihnachten wandte sich Franziskus ausdrücklich gegen Misstrauen gegenüber Fremden sowie Menschen am Rande der Gesellschaft. Gerade ihnen habe der Engel die Frohe Botschaft der Geburt Jesu verkündet. Christlicher Glaube bedeute, so der Papst, "einer neuen Auffassung des Sozialen Raum zu geben und keine Angst zu haben, neue Formen der Beziehung auszuprobieren, in denen niemand das Gefühl haben muss, in dieser Welt keinen Platz zu haben".

Franziskus setzt sich seit Beginn seines Pontifikats besonders für Migranten und Ausgegrenzte ein. Bei der Christmesse im vergangenen Jahr hatte er an die Kinder erinnert, die im Krieg oder auf der Flucht aufwachsen. Am ersten Weihnachtsfeiertag am Montag - dem Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan - wird Franziskus auch den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" spenden.

Die Weihnachtsfeiern im Vatikan finden, wie inzwischen üblich, unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zugang zum Petersdom wurde nur nach Kontrolle gewährt; rund um den Vatikan waren verstärkt Polizei und Armee zu sehen.

(KNA, dpa)

 

 

 

Beten wir für unseren Heiligen Vater der sich aufgemacht hat in das Krisengebiet von Myanmar zu fahren, um den Menschen den Glauben an Frieden zusenden!

 

 

 

Heute feiert unser Heiliger Vater am Tage des dritten Advent -Gaudete- seinen 81. Geburtstag

 

 

 

 

Kurienreform à la Franziskus
Veröffentlicht am 22. Dezember 2016


Alle Jahre wieder, ist man versucht zu sagen: Der Papst setzt die Reform der Kurie auf die Tagesordnung, und zwar immer beim Weihnachtsempfang für die höheren Kurienmitarbeiter, vor allem also die Kardinäle und Bischöfe, die in der Kurie – den Dikasterien, wie das hier heißt – arbeiten.


Papstansprache in diesem Jahr

Diese Ansprachen an die höheren Kurienmitarbeiter finden traditionell jedes Jahr statt, der Papst wünscht ein Frohes Fest und nutzt die Gelegenheit zu grundsätzlichen Überlegungen. Das erste Mal wirklich öffentliche Aufmerksamkeit bekam diese Ansprache aber erst 2005, als Papst Benedikt XVI. diesen Rahmen nutzte, um über die Hermeneutik der Reform zu sprechen, die er einer Hermeneutik des Bruchs gegenüber setzte.
„Reform“ war also schon bei Benedikt Thema, seit dem Amtsantritt von Franziskus ist das aber noch systematischer geworden, und der Papst sagt auch, warum: Das sei dem zu wählenden Papst vom Konklave mitgegeben worden.

Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus betont, dass die Reform der Kurie „mit Entschlossenheit fortgesetzt“ wird. Das Jahr zuvor hatte er eine der am meisten berichteten Ansprachen gehalten, die berühmt gewordenen fünfzehn Krankheiten der Kurie, „spiritueller Alzheimer“ ist hängen geblieben. Diese Ansprache hat er dann 2015 wieder aufgegriffen: „Einige dieser Krankheiten sind im Laufe dieses Jahres aufgetreten; sie haben dem gesamten Leib nicht unerhebliche Schmerzen zugefügt und viele Menschen innerlich verletzt.“

 

„Reform“ war schon bei Benedikt Thema
 

Dieses Jahr also wieder, und zwar zwölf – kurze und knappe – Kriterien für eine Reform. Das die einzelnen Ansprachen auch innerlich zusammen hängen, wird nicht nur dadurch deutlich, dass der Papst sich selber zitiert und diese Zusammenhänge auch deutlich macht. Man sieht es auch ganz konkret, wenn man sich die Reformschritte ansieht, die um uns herum passieren.

Zwei Dinge sind wichtig: Erstens der Gedanke der Bekehrung. In allen Ansprachen kommt die persönliche Ebene vor der strukturellen. Reform macht nur Sinn und ist nur nachhaltig, wenn sie den Einzelnen reformiert, oder besser: wenn dieser sich bekehrt. Ohne Jesus im Zentrum funktioniert gar nichts, möchte ich das übersetzen.

Zweitens: die Schattenseiten. Heute waren es die „bösartigen Widerstände“, die der Papst nannte, in der Vergangenheit die Krankheiten etc. Man darf nicht naiv sein bei der Umsetzung von Reform, scheint der Papst zu sagen.

Franziskus ist realistischer geworden. Die zwölf Kriterien sind geerdeter als die Tugenden oder zuvor die Barmherzigkeit und die Krankheiten. Und das ist ja auch folgerichtig, das sind die „Mühen der Ebene“. Die Reform geht weiter.

 

Nachtrag

In einem frei gehaltenen Teil im Anschluss an die Rede in diesem Jahr berichtet der Papst, woher er den Gedanken der fünfzehn Krankheiten hat. Ich bin ein wenig froh, dass ich mit meiner Diagnose vor einiger Zeit recht hatte. Das tut auch mal gut.

 

 

 

 

 

 

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