Papst Franziskus

                                      

 

 

Viva il Papa

 

 

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
ZUM XXXII. WELTJUGENDTAG
2017

»Der Mächtige hat Großes an mir getan« (Lk 1,49)

 

Liebe junge Freunde,

nun sind wir nach unserem wunderbaren Treffen in Krakau, wo wir gemeinsam den 31. Weltjugendtag und das Jubiläum der Jugendlichen im Rahmen des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gefeiert haben, wieder unterwegs. Wir ließen uns vom heiligen Johannes Paul II. und von der heiligen Faustyna Kowalska, den Aposteln der Göttlichen Barmherzigkeit, leiten, um auf die Herausforderungen unserer Zeit eine konkrete Antwort zu geben. Wir machten eine große Erfahrung der Solidarität und der Freude, und wir gaben der Welt ein Zeichen der Hoffnung. Die verschiedenen Fahnen und Sprachen waren nicht Grund zu Streit und Spaltung, sondern boten Gelegenheit, die Pforten der Herzen zu öffnen und Brücken zu bauen.

Am Ende des Weltjugendtags in Krakau gab ich das nächste Ziel unseres Pilgerwegs vor, der uns mit Gottes Hilfe 2019 nach Panama führen wird. Auf diesem Weg wird uns die Jungfrau Maria begleiten, die von allen Geschlechtern seliggepriesen wird (vgl. Lk 1,48). Der neue Abschnitt unserer Reise schließt an den vorhergehenden an, in dessen Mittelpunkt die Seligpreisungen standen, treibt uns aber an weiterzugehen. Es liegt mir nämlich am Herzen, dass ihr unterwegs nicht nur die Vergangenheit im Gedächtnis behaltet, sondern auch Mut in der Gegenwart und Hoffnung für die Zukunft habt. Diese Haltungen sind stets in der jungen Frau von Nazaret lebendig und kommen in den Themen der drei nächsten Weltjugendtage klar zum Ausdruck. Dieses Jahr (2017) werden wir über den Glauben Marias nachdenken, die im Magnificat sagte: »Der Mächtige hat Großes an mir getan« (Lk 1,49). Das Thema des nächsten Jahres (2018) – »Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden« (Lk 1,30) – wird uns über die mutige Liebe, mit der die Jungfrau die Botschaft des Engels aufnahm, meditieren lassen. Der Weltjugendtag 2019 wird sich hingegen auf die hoffnungsvolle Antwort Marias an den Engel beziehen: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1,38).

Im Oktober 2018 wird die Kirche die Bischofssynode über das Thema Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung abhalten. Wir werden uns darüber austauschen, wie ihr jungen Menschen die Erfahrung des Glaubens inmitten der Herausforderungen unserer Zeit lebt. Wir werden auch der Frage nachgehen, wie ihr einen Plan für euer Leben reifen lassen und dabei eure Berufungen in weitem Sinn, das heißt die Berufung zur Ehe, die Berufung im weltlichen und beruflichen Bereich oder zum geweihten Leben und zum Priestertum, erkennen könnt. Mein Wunsch ist, dass der Weg zum Weltjugendtag in Panama und der Weg der Synode gut miteinander abgestimmt sind.

Unsere Welt braucht keine „Sofa-Jugendlichen“

Nach dem Lukasevangelium macht Maria sich nach dem Empfang der Botschaft des Engels und ihres Ja, die Mutter des Erlösers zu werden, auf den Weg und eilt ihre Cousine Elisabet zu besuchen, die im sechsten Monat schwanger ist (vgl. 1,36.39). Maria ist sehr jung. Was ihr verkündigt wurde, ist ein riesengroßes Geschenk, doch es bringt auch sehr große Herausforderungen mit sich. Der Herr hat ihr seine Nähe und seine Hilfe zugesagt, aber in ihrem Verstand und ihrem Herzen sind viele Dinge noch unklar. Dennoch schließt sich Maria nicht zu Hause ein, sie lässt sich nicht von der Angst oder vom Stolz lähmen. Maria ist nicht der Typ dafür, der – um es sich gut gehen zu lassen – ein Sofa braucht, auf dem man es sich bequem und gemütlich macht. Sie ist keine Sofa-Jugendliche! (vgl. Ansprache bei der Gebetsvigil, Krakau, 30. Juli 2016). Wenn ihre alte Cousine Unterstützung braucht, dann verliert sie keine Zeit und macht sich sofort auf den Weg.

Die Strecke bis zum Haus der Elisabet ist lang, zirka 150 Kilometer. Aber vom Heiligen Geist angetrieben kennt das Mädchen von Nazaret keine Hindernisse. Die Tage der Reise haben ihr sicher geholfen, über das wunderbare Geschehen, von dem sie betroffen war, nachzudenken. So geschieht es auch mit uns, wenn wir uns auf Pilgerfahrt begeben. Auf dem Weg kommen uns die Ereignisse unseres Lebens in den Sinn, wir können deren Bedeutung reifen lassen und unsere Berufung vertiefen, die sich dann in der Begegnung mit Gott und im Dienst an den anderen zeigt.

Der Mächtige hat Großes an mir getan

Die Begegnung zwischen den beiden Frauen – dem jungen Mädchen und der alten Frau – ist von der Gegenwart des Heiligen Geistes erfüllt und voller Freude und Staunen (vgl. Lk 1,40-45). Wie die Kinder in ihren Leibern tanzen die beiden Mütter gleichsam vor Glück. Vom Glauben Marias berührt ruft Elisabet aus: »Selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (V. 45). Ja, eine der großen Gaben, welche die Jungfrau Maria erhalten hat, ist der Glaube. An Gott zu glauben ist ein unschätzbares Geschenk, es muss aber auch angenommen werden; und Elisabet preist Maria dafür. Sie antwortet ihrerseits mit dem Lobgesang des Magnificat (vgl. Lk 1,46-55), in dem wir das Wort finden: »Der Mächtige hat Großes an mir getan« (V. 49).

Dieses Gebet Marias ist ein revolutionäres Gebet, das Lied eines Mädchens voll Glauben, das sich seiner Grenzen bewusst ist, aber der Barmherzigkeit Gottes vertraut. Diese mutige junge Frau dankt Gott, weil er auf ihre Niedrigkeit geschaut hat, sie dankt für sein Heilswerk, das er an seinem Volk, an den Armen und Niedrigen vollbracht hat. Der Glaube ist die Herzmitte der ganzen Geschichte Marias. Ihr Lied hilft uns, das Erbarmen des Herrn als Antriebskraft der Geschichte zu begreifen, sowohl der persönlichen Geschichte eines jeden von uns als auch der ganzen Menschheit.

Wenn Gott das Herz eines jungen Mannes, eines jungen Mädchens berührt, werden diese zu wirklich großen Taten fähig. Das „Große“, das der Mächtige im Leben Marias getan hat, spricht zu uns auch von unserer Reise durch das Leben, die kein sinnloses Umherziehen ist, sondern eine Pilgerschaft, die trotz aller Ungewissheiten und Leiden in Gott ihre Erfüllung finden kann (vgl. Angelus, 15. August 2015). Ihr werdet mir sagen: „Pater, ich bin doch so eingeschränkt, ich bin ein Sünder, was kann ich tun?“ Wenn der Herr uns ruft, bleibt er nicht bei dem stehen, was wir sind oder getan haben. In dem Augenblick, in dem er uns ruft, schaut er vielmehr auf das, was wir tun könnten, auf all die Liebe, die freizusetzen wir imstande sind. Wie die junge Maria könnt auch ihr es zulassen, dass euer Leben ein Werkzeug wird, um die Welt besser zu machen. Jesus ruft euch, eure Spur im Leben zu hinterlassen, eine Spur, die die Geschichte kennzeichnet – eure Geschichte und die vieler anderer (vgl. Ansprache bei der Gebetsvigil, Krakau, 30. Juli 2016).

Jugendlicher sein bedeutet nicht, keine Verbindung zur Vergangenheit zu haben

Maria ist kaum über das Jugendalter hinaus wie viele von euch. Dennoch stimmt sie im Magnificat das Lob ihres Volkes und seiner Geschichte an. Dies zeigt uns: Jugendlicher sein bedeutet nicht, keine Verbindung zur Vergangenheit zu haben. Unsere persönliche Geschichte fügt sich in eine lange Reihe ein, in einen gemeinschaftlichen Weg, der uns in den Jahrhunderten vorangegangen ist. Wie Maria gehören auch wir einem Volk an. Und die Geschichte der Kirche lehrt uns, dass auch dann, wenn sie stürmische Meere durchquert, die Hand Gottes sie führt und schwierige Momente überwinden lässt. Die echte Erfahrung von Kirche ist nicht wie ein Flashmob, zu dem man sich verabredet, um eine Performance durchzuführen und um dann wieder seines Weges zu ziehen. Die Kirche trägt eine lange Tradition in sich, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und dabei durch die Erfahrung jedes einzelnen bereichert wird. Auch eure Geschichte findet ihren Platz innerhalb der Geschichte der Kirche.

Die Vergangenheit im Gedächtnis behalten dient auch dazu, das neuartige Eingreifen Gottes, das er in uns und durch uns verwirklichen will, anzunehmen. Und dies hilft uns, uns zu öffnen, um als seine Werkzeuge, als Mitarbeiter seiner Heilspläne ausgewählt zu werden. Auch ihr jungen Menschen könnt Großes vollbringen, wichtige Verantwortung übernehmen, wenn ihr das barmherzige und allmächtige Handeln Gottes in eurem Leben erkennt.

Ich möchte euch einige Fragen stellen: Auf welche Weise „speichert“ ihr eure Erinnerung der Ereignisse, die Erfahrungen eures Lebens „ab“? Was macht ihr mit den Tatsachen und Bildern, die sich in euer Gedächtnis eingeprägt haben? Manche – besonders jene, denen von den Umständen des Lebens Wunden geschlagen wurden – hätten Lust, ein „Reset“ der eigenen Vergangenheit durchzuführen und vom Recht auf das Vergessen Gebrauch zu machen. Ich möchte euch aber daran erinnern, dass es keinen Heiligen ohne Vergangenheit und keinen Sünder ohne Zukunft gibt. Die Perle entsteht aus einer Verletzung der Auster! Mit seiner Liebe kann Jesus unsere Herzen heilen und unsere Wunden in echte Perlen verwandeln. Wie der heilige Paulus sagt, kann der Herr seine Kraft in unserer Schwachheit erweisen (vgl. 2 Kor 12,9).

Unsere Erinnerungen dürfen jedoch nicht alle angehäuft sein wie im Speicher auf der Festplatte. Und es ist auch nicht möglich, alles in einer virtuellen „Cloud“ abzulegen. Man muss lernen, dafür zu sorgen, dass die Geschehnisse der Vergangenheit zu einer dynamischen Wirklichkeit werden, über die man nachdenken und aus der man Lehren und Bedeutung für unsere Gegenwart und Zukunft ziehen kann. Es ist eine beschwerliche, aber notwendige Aufgabe, den roten Faden der Liebe Gottes zu entdecken, der unser ganzes Leben durchzieht.

Viele sagen, dass ihr jungen Menschen gedankenlos und oberflächlich seid. Dem stimme ich überhaupt nicht zu! Man muss aber zugeben, dass es in unserer Zeit nötig ist, die Fähigkeit wiederzuerlangen, über das eigene Leben nachzudenken und es auf Zukunft hin zu gestalten. Eine Vergangenheit zu haben ist nicht gleichbedeutend damit, eine Geschichte zu haben. Wir können in unserem Leben viele Erinnerungen haben, doch wie viele davon bilden wirklich unser Gedächtnis? Wie viele haben eine Bedeutung für unsere Herzen und helfen uns, unserem Leben einen Sinn zu verleihen? Die Gesichter der Jugendlichen in den social media tauchen auf vielen Fotos auf, die mehr oder weniger reale Ereignisse erzählen. Wir wissen hingegen nicht, wieviel davon „Geschichte“, sprich Erfahrung ist, die erzählenswert ist als auch Ziel und Sinn in sich birgt. Die TV-Programme sind voll von sogenannten Reality-Shows, aber es sind keine echten Geschichten, sondern nur Augenblicke, die vor einer Fernsehkamera ablaufen, bei denen die Personen planlos in den Tag hinein leben. Lasst euch nicht durch dieses falsche Bild der Wirklichkeit irreleiten! Seid die Hauptdarsteller eurer Geschichte und bestimmt eure Zukunft!

In Verbindung bleiben mit Blick auf das Beispiel Marias

Man sagt von Maria, dass sie alle Worte bewahrte und in ihrem Herzen erwog (vgl. Lk 2,19.51). Dieses einfache Mädchen aus Nazaret lehrt uns beispielhaft, die Erinnerung an die verschiedenen Begebenheiten des Lebens zu bewahren, diese aber auch zusammenzufügen und aus den Teilstücken ein einheitliches Ganzes zu bilden wie bei einem Mosaik. Wie können wir uns in diesem Sinne konkret einüben? Ich mache euch dazu einige Vorschläge.

Am Ende eines jeden Tages können wir für einige Minuten innehalten, um uns an die schönen Augenblicke, an die Herausforderungen und an alles, was gut und was schlecht gelaufen ist, zu erinnern. So können wir vor Gott und uns selbst die Gefühle der Dankbarkeit, der Reue und des Vertrauens zum Ausdruck bringen. Wenn ihr wollt, könnt ihr das auch in einem Heft aufschreiben, in einer Art geistlichem Tagebuch. Das bedeutet, im Leben, mit dem Leben und über das Leben zu beten, und sicher wird es euch helfen, die großen Dinge besser zu verstehen, die der Herr für jeden von euch tut. Wie der heilige Augustinus sagte, können wir Gott in den weiten Gefilden unseres Gedächtnisses finden (vgl. Bekenntnisse, Buch X,8,12).

Wenn wir das Magnificat lesen, wird uns bewusst, wie sehr Maria das Wort Gottes kannte. Jeder Vers dieses Liedes hat eine Parallelstelle im Alten Testament. Die junge Mutter Jesu kannte die Gebete ihres Volkes gut. Sicherlich haben ihre Eltern und Großeltern sie ihr beigebracht. Wie wichtig ist doch die Glaubensweitergabe von einer Generation an die andere! Es liegt ein verborgener Schatz in den Gebeten, die uns unsere Ahnen lehren, in der gelebten Spiritualität innerhalb der Kultur der einfachen Leute, die wir Volksfrömmigkeit nennen. Maria sammelt das Glaubenserbe ihres Volkes und setzt es zu ihrem ganz eigenen Lied zusammen, das aber zugleich Lied der gesamten Kirche ist. Und die ganze Kirche singt es mit ihr. Damit auch ihr jungen Menschen ein Magnificat singen könnt, das ganz von euch kommt, und euer Leben zu einem Geschenk für die gesamte Menschheit machen könnt, ist es wesentlich, dass ihr an die geschichtliche Tradition und das Beten derer anknüpft, die vor euch gelebt haben. Deshalb ist es auch wichtig, die Bibel – das Wort Gottes – gut zu kennen, sie jeden Tag zu lesen und mit eurem Leben in Beziehung zu setzen, das heißt die Tagesereignisse im Lichte all dessen zu lesen, was der Herr euch in der Heiligen Schrift sagt. Während des Gebets und bei der betenden Lektüre der Bibel (der so genannten Lectio divina) erwärmt Jesus eure Herzen und schenkt euren Schritten Licht, auch in den dunkelsten Augenblicken eures Lebens (vgl. Lk 24,13-35).

Maria bringt uns auch bei, in einer eucharistischen Haltung zu leben, das heißt Dank zu sagen, das Lob Gottes zu pflegen und sich nicht nur auf Probleme und Schwierigkeiten zu versteifen. Die Bitten von heute werden in der Dynamik des Lebens morgen zum Grund des Dankes. So sind auch eure Teilnahme an der heiligen Messe und die Momente der Feier des Sakraments der Versöhnung zugleich Gipfel und Ausgangspunkt: Euer Leben wird jeden Tag in der Vergebung erneuert und zu einem immerwährenden Lob des Allmächtigen: »Vertraut dem Gedenken Gottes: […] sein Gedächtnis ist ein Herz, das weich ist vor Mitgefühl, das Freude daran hat, jede Spur des Bösen in uns auszulöschen« (Predigt bei der heiligen Messe zum Weltjugendtag, Krakau, 31. Juli 2016).

Wir haben gesehen, dass das Magnificat aus dem Herzen Marias in dem Augenblick hervorkommt, als sie ihrer alten Cousine Elisabet begegnet. Mit ihrem Glauben, ihrem scharfen Blick und ihren Worten hilft sie der Jungfrau Maria, die Größe des göttlichen Handelns in ihr und der ihr anvertrauten Sendung besser zu begreifen. Und ihr, seid ihr euch der außergewöhnlichen Quelle des Reichtums bewusst, welche die Begegnung zwischen jungen und alten Menschen darstellt? Wieviel Bedeutung messt ihr den Alten, euren Großeltern bei? Richtigerweise strebt ihr danach, flügge zu werden, und tragt große Träume im Herzen. Doch ihr bedürft auch der Weisheit und der Weitsicht der älteren Menschen. Während ihr die Flügel im Wind ausbreitet, ist es wichtig, dass ihr eure Wurzeln entdeckt und das Staffelholz von den Menschen übernehmt, die vor euch da waren. Um eine sinnvolle Zukunft aufzubauen, muss man die Ereignisse der Vergangenheit kennen und ihnen gegenüber Stellung beziehen (vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Amoris laetitia, 191.193). Ihr jungen Menschen habt die Kraft, die alten Menschen haben das Gedächtnis und die Weisheit. So wie Maria gegenüber Elisabet, so richtet auch ihr euren Blick auf die älteren Menschen, auf eure Großeltern. Sie werden euch Dinge erzählen, die euren Verstand begeistern und eure Herzen rühren.

Schöpferische Treue, um neue Zeiten aufzubauen

Es ist wahr, dass ihr noch nicht viele Jahre „auf dem Buckel“ habt und es euch daher schwer fallen mag, der Tradition den gebührenden Wert beizumessen. Haltet euch wohl vor Augen, dass dies nicht heißt, Traditionalist zu sein. Nein! Wenn Maria im Evangelium sagt, »der Mächtige hat Großes an mir getan« (Lk 1,49), meint sie damit, dass jenes „Große“ noch nicht zu Ende ist, dass es sich vielmehr weiterhin in der Gegenwart verwirklicht. Es handelt sich nicht um eine ferne Vergangenheit. Die Vergangenheit im Gedächtnis behalten zu können heißt nicht, nostalgisch zu sein oder an einer bestimmten Zeit der Geschichte zu hängen, sondern seine eigenen Ursprünge erkennen zu können, um immer zum Wesentlichen zurückzukehren und sich mit schöpferischer Treue in den Aufbau neuer Zeiten hineinzustürzen. Es wäre ärgerlich und würde niemandem helfen, wenn wir eine lähmende Erinnerung beibehielten, die immer dieselben Dinge auf die gleiche Weise tun lässt. Ein Geschenk des Himmels ist es dagegen zu sehen, dass viele von euch mit ihrem Nachforschen, ihren Träumen und Fragen gegen die Vorstellung angehen, dass die Dinge nicht auch anders sein können.

Eine Gesellschaft, die nur die Gegenwart gelten lässt, neigt auch dazu, all das gering zu schätzen, was man aus der Vergangenheit ererbt, wie zum Beispiel die Einrichtung der Ehe, des geweihten Lebens und des Priesterberufs. Diese werden dann schließlich als bedeutungslos angesehen, als Auslaufmodelle. Man meint besser in sogenannten „offenen“ Situationen zu leben und sich im Leben wie in einer Reality-Show zu verhalten, ohne Ziel und Zweck. Lasst euch nicht täuschen! Gott ist gekommen, um die Horizonte unseres Lebens in jeder Hinsicht zu erweitern. Er hilft uns, der Vergangenheit den gebührenden Wert zu geben, um eine glückliche Zukunft besser gestalten zu können: Das ist aber nur möglich, wenn man die Liebe authentisch lebt – in Erfahrungen, die sich darin verwirklichen, dass wir den Ruf des Herrn wahrnehmen und ihm folgen. Und das ist das Einzige, was uns wirklich glücklich macht.

Liebe junge Freunde, ich empfehle euren Weg nach Panama wie auch den Vorbereitungsprozess der nächsten Bischofssynode der mütterlichen Fürsprache der seligen Jungfrau Maria an. Ich lade euch ein, zweier wichtiger Ereignisse im Jahr 2017 zu gedenken: dreihundert Jahre der Wiederauffindung des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau von Aparecida in Brasilien und die Hundertjahrfeier der Erscheinungen von Fatima in Portugal, wo ich mich, so Gott will, im nächsten Mai als Pilger hinbegebe. Der heilige Martin von Porres, einer der Schutzpatrone Lateinamerikas und des Weltjugendtags 2019, hatte in seinem bescheidenen täglichen Dienst die Angewohnheit, Maria als Zeichen seiner Sohnesliebe die schönsten Blumen zu schenken. Pflegt auch ihr wie er eine vertraute, freundschaftliche Beziehung mit der Muttergottes. Vertraut ihr eure Freude, eure Fragen und Sorgen an. Ich versichere euch, ihr werdet es nicht bereuen!

Die junge Frau von Nazaret, die auf der ganzen Welt tausend Gesichter und Namen angenommen hat, um ihren Söhnen und Töchtern nahe zu sein, möge für jeden von uns Fürbitte halten und uns helfen, die großen Werke zu besingen, die der Herr in uns und durch uns vollbringt.

Aus dem Vatikan, am 27. Februar 2017,
Gedenktag des hl. Gabriel von der schmerzhaften Jungfrau

FRANZISKUS

 

 

 

 

 

 

25.06.2018

 
Papst mahnt Wissenschaftler zu umfassender Bioethik

Die Heiligkeit jedes Lebens
Papst Franziskus hat die Biowissenschaften an die Würde des menschlichen Lebens in allen Phasen erinnert. Es genügten weder rein rechtliche Regelungen noch technische Hilfen allein, um das Leben auch in schwierigsten Umständen zu schützen.

Bioethik müsse menschliches Leben von der Empfängnis bis zum Tod ebenso berücksichtigen wie die sozialen und ökologischen Zusammenhänge, in denen es stehe, sagte der Papst am Montag vor Teilnehmern eines bioethischen Kongresses im Vatikan. Daher brauche es ebenso "eine angemessene Unterstützung durch verantwortliche menschliche Nähe", betonte Franziskus.

Er wünsche sich eine "Konversion zu einer zeitgemäßen ganzheitlichen menschlichen Ökologie", wie er sie in seiner Enzyklika "Laudato si" dargelegt habe, so der Papst. Dazu gehöre die Überzeugung, dass alles in der Welt miteinander verbunden sei und das menschliche Leben sich Gott verdanke und in ihm sein Ziel habe.

Gesundheit, Schwangerschaft, wirtschaftliche Ungleichheit

Franziskus verlangte weiter eine "genaue Unterscheidung der komplexen fundamentalen Unterschiede menschlichen Lebens". Dies gelte für "Mann und Frau, Vaterschaft und Mutterschaft, Kindschaft und Geschwisterlichkeit" ebenso wie der jeweiligen gesellschaftlichen Zugehörigkeit sowie allen Altersphasen. Ebenso bekräftigte der Papst die Heiligkeit jedes Lebens, des noch ungeborenen, wie das "des Armen, der schon geboren ist".

An diesem Montag beginnt im Vatikan eine dreitägige Konferenz der Päpstlichen Akademie für das Leben über Bioethik. Das Treffen von rund 300 Experten ist zugleich die 24. Vollversammlung der Akademie und steht unter dem Thema "Equal beginnings. But then? A global responsibility". Dabei geht es unter anderem um Fragen vorgeburtlicher Gesundheit und Schwangerschaft, wirtschaftliche Ungleichheit bei der Geburt, Migration und Pränataldiagnostik.

(KNA)

 


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 01.05.2018

Das Gebetsanliegen des Papstes für den Mai
"Für die Laien und ihre Sendung"
Der Papst betet im Mai für die Sendung der Laien. "Christen sind in der heutigen Welt vielfach herausgefordert; sie mögen ihrer besonderen Sendung gerecht werden."

Der Papst bittet uns, in diesem Monat besonders "für die Laien und ihre Sendung" zu beten. Gläubige verstehen das Anliegen - und haben doch ein Problem mit diesem Wort: In unserer Sprache sind Laien immer diejenigen, die von einer Sache wenig verstehen oder gar nichts. Letztere nennen wir dann "blutige Laien".

Jahrhunderte lang haben die "Fachleute" in der Kirche die Mehrzahl der Getauften in diesem Sinne behandelt und die haben sich das auch meistens gefallen lassen. Auch jetzt gibt es immer noch Amtsträger, die so denken, auch wenn sie das nicht mehr zu sagen wagen. Da hilft auch die Erklärung nicht viel, dass "Laien" vom griechischen "Laos" = Volk abgeleitet ist. Laien gelten, jedenfalls im hoch spezialisierten Deutschland, weithin als Hilfskräfte des "Klerus".

Laien mehr als nur Hilfskräfte

Niemand wird wohl bezweifeln, dass der aktuelle Papst - wie auch seine fünf letzten Vorgänger - das grundsätzlich anders sieht: Taufe und Firmung sind die Grundausstattung aller Glieder der Kirche, weit mehr als alle besonderen Weihen. Auch Franziskus geht es ganz offensichtlich um die "Hierarchie" Christi, dessen "Heilige Herrschaft", an die schwache Menschen bestenfalls erinnern können.

Christus wollte und will eine geschwisterliche Gemeinschaft, eine alternative Gesellschaft: "Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder (und Schwestern). Auch sollt ihr niemanden auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel." (Mt 23,8-9)

Klar, eine Gemeinschaft von vielen Menschen braucht eine Leitung. Die Kirche, unsere katholische Gemeinschaft, aber sollte auf Augenhöhe entstehen, in gegenseitiger Wertschätzung der vielen verschiedenen Begabungen. Die sogenannten Laien sind in sehr vielen Fragen eher Fachleute als Priester und Bischöfe. Weshalb sonst wohl würde der Papst vor der Bischofssynode dieses Jahres die Jugend weltweit befragen und ihre Vertreter nach Rom einladen.

Franziskus' Vision einer "synodaleren Kirche"

Gerne wollen wir mit dem Papst beten, dass alle Christen, die diese Berufung ernst nehmen, sich mehr und mehr an unserem Namengeber ausrichten: Christus, nicht aus Jerusalem, sondern aus dem damals völlig unbedeutenden Dorf Nazareth, war weder Amtsträger noch Fachtheologe. Wenn man ihn "Rabbi" nannte, was ja wörtlich "mein Großer" heißt, war das kein Titel, der ihm ausbildungshalber oder von Amts wegen zustand. Es war vielmehr ein Ausdruck von Achtung und Respekt für den Bauhandwerker aus Galiläa.

In unsere demokratische Denkweise passt haargenau die Vision von Papst Franziskus von einer synodaleren Kirche, wie wir sie in der Apostelgeschichte schon vorfinden. Da ist außer Paulus kein Fachtheologe zu sehen. Zu wichtigen Fragen sagt zwar der Fischer Simon vom See Genezareth, was ihm vom Herrn her klar wurde, aber er bespricht es in der Vollversammlung. Die Christen wurden in dieser Zeit "Anhänger des Weges" genannt. Synode kann man auch mit Weggemeinschaft übersetzen.

Pfingsten: erste Regierungsmaßnahme des Gekreuzigten

Wenn Seelsorger es nicht schaffen, den Getauften ihre Würde und "besondere Sendung" glaubwürdig zu machen, werden sie die "Herausforderung in der heutigen Welt", von der Papst Franziskus schreibt, nicht anzunehmen wagen.

Vielleicht legt uns der Papst dieses Thema ganz bewusst für den Pfingstmonat ans Herz. Da feiern wir ja die "erste Regierungsmaßnahme" des Gekreuzigten, der zu Gott gerettet wurde: Er gießt - wie versprochen - den Heiligen Geist, die unerschöpfliche Energie, auf seinen Freundeskreis. Ab Pfingsten sind also alle, die sich ihm anschließen, wirklich und wahrhaftig Geistliche! Darauf dürfen wir vertrauen. Mehr und mehr.

Gerhard Dane
(KNA)

Lesen Sie Hier sein Schreiben  Enciclica-laudato-si_ge

 

Gott liebt als Vater und als Mutter
Der Herr ist treu, er vergisst keines seiner Kinder – er liebt wie eine Mutter: daran hat Papst Franziskus in der Frühmesse an diesem Donnerstag erinnert. „Ewig denkt er an seinen Bund“, heißt es im Antwortpsalm der Liturgie, und die Lesung spricht von dem treuen Bund Gottes mit Abraham und seinen Nachkommen „Generation um Generation“. (22.3.2018)

 

 

 

Messfeier mit Papst Franzikus

 

 

 

 

 

Papst ruft bei Christmette zu Mitgefühl für Verfolgte auf

Aus Angst muss Liebe werden


Franziskus vergleicht in seiner Christmette das Schicksal von Maria und Josef mit heutigen Flüchtlingen. Der Papst sagt: Aus Angst vor Fremden muss Liebe werden.

An Heiligabend hat Papst Franziskus im Vatikan die Christmette gefeiert. Zu der Messe versammelten sich zahlreiche Kardinäle und Bischöfe sowie Tausende Besucher im Petersdom. Gemäß dem Thema des Gottesdienstes, der Geburt Jesu in einem Stall zur Zeit des Kaisers Augustus, wurde vor allem für Regierende und für die Familie gebetet. Eine Fürbitte war der Jugend gewidmet. Die Fürbitten wurden auch auf Chinesisch, Arabisch und Bengali vorgetragen.

Zu Beginn der Feier verehrte das Kirchenoberhaupt von weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken eine Figur des Jesuskindes vor dem Hauptaltar. Kinder aus aller Welt brachten Blumengebinde; sie kamen etwa aus China, Afrika, der Schweiz sowie aus Chile und Peru. Die letzteren beiden Länder besucht Franziskus Mitte Januar.

In seiner Predigt erinnerte Franziskus besonders an Vertriebene und warb für eine Willkommenskultur. Weihnachten müsse die Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit aufwecken und die Augen für das Leid der Menschen öffnen, sagte er bei der Christmette. Auch heute gebe es "Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden", so Franziskus.

Vertrauen aufbauen

Der Grund zur Flucht sei heute oft einzig und allein die Hoffnung zu überleben, betonte der Papst. Es gehe darum, "die aktuellen Nachfolger des Herodes zu überleben, die zur Durchsetzung ihrer Macht und zur Mehrung ihrer Reichtümer nicht davor zurückschrecken, unschuldiges Blut zu vergießen". Franziskus warb stattdessen für Nächstenliebe: Weihnachten sei der Zeitpunkt, um "die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln".

Der Papst rief die Christen auf, "inmitten von Spannungen und Konflikten" Gastfreundschaft zu fördern. Auch Maria und Josef seien damals gezwungen gewesen, ihre Heimat zu verlassen. Zu Weihnachten wandte sich Franziskus ausdrücklich gegen Misstrauen gegenüber Fremden sowie Menschen am Rande der Gesellschaft. Gerade ihnen habe der Engel die Frohe Botschaft der Geburt Jesu verkündet. Christlicher Glaube bedeute, so der Papst, "einer neuen Auffassung des Sozialen Raum zu geben und keine Angst zu haben, neue Formen der Beziehung auszuprobieren, in denen niemand das Gefühl haben muss, in dieser Welt keinen Platz zu haben".

Franziskus setzt sich seit Beginn seines Pontifikats besonders für Migranten und Ausgegrenzte ein. Bei der Christmesse im vergangenen Jahr hatte er an die Kinder erinnert, die im Krieg oder auf der Flucht aufwachsen. Am ersten Weihnachtsfeiertag am Montag - dem Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan - wird Franziskus auch den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" spenden.

Die Weihnachtsfeiern im Vatikan finden, wie inzwischen üblich, unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zugang zum Petersdom wurde nur nach Kontrolle gewährt; rund um den Vatikan waren verstärkt Polizei und Armee zu sehen.

(KNA, dpa)

 

 

 

Beten wir für unseren Heiligen Vater der sich aufgemacht hat in das Krisengebiet von Myanmar zu fahren, um den Menschen den Glauben an Frieden zusenden!

 

 

 

Heute feiert unser Heiliger Vater am Tage des dritten Advent -Gaudete- seinen 81. Geburtstag

 

 

 

 

 

 

 

Generalaudienz

Um die Hoffnung, die die Taufe für den Christenmenschen birgt, ging es bei der ersten Generalaudienz nach der Sommerpause, in der Papst Franziskus seine Katechesenreihe über die Hoffnung fortführte. Sichtlich gut gelaunt absolvierte Papst Franziskus in der klimatisierten Audienzhalle seine erste öffentliche Begegnung mit Pilgern aus aller Welt, es war die erste Audienz nach einem Monat Auszeit, zuvor hatte der Papst in einem gesonderten Empfangsraum noch die Fußballer von Borussia Mönchengladbach getroffen.
Franziskus erinnerte in seiner Katechese an die Riten, die seit den Anfangstagen des Christentums mit der Taufe, aber auch elementar mit dem Glauben selbst verbunden sind. „Es gab eine Zeit“, so der Papst, „in der die Kirchen gen Osten ausgerichtet waren. Man betrat das Heilige Gebäude durch eine Pforte, die nach Westen geöffnet war und, wenn man die Kirche durchschritt, schritt man in Richtung Osten. Das war ein wichtiges Symbol für den antiken Menschen, eine Allegorie, die im Lauf der Zeit immer mehr verloren ging.“
Ausrichtung der Apsis nach Osten
Doch warum spielt die Ausrichtung nach Osten eine solch große Rolle? „Der Westen", so fuhr der Papst fort, „ist der Ort, an dem die Sonne untergeht, an dem das Licht stirbt. Der Osten hingegen ist der Ort, an dem die Schatten durch das erste Licht des Sonnenaufgangs besiegt werden und der uns an Christus erinnert, die Sonne, die von oben herab am Horizont der Welt aufgegangen ist.“
Auch der Ausrichtung des Täuflings kam zentrale Bedeutung zu
Auch beim Ritus der Taufe, so betonte der Papst, spielte die Ausrichtung des Täuflings traditionell eine zentrale Rolle. Denn die Absage an Satana geschah gen Westen, während die Bejahung des christlichen Glaubens nach Osten gesprochen wurde. „In modernen Zeiten ist die Faszination dieses Ritus teils verloren gegangen: wir haben die Sensibilität für die Sprache des Kosmos verloren. Uns ist natürlich das Glaubensbekenntnis geblieben, das sich an der täuflichen Befragung orientiert, und die der Zelebration einiger Sakramente eigen ist. Diese bleibt in ihrer Bedeutung dennoch intakt.“ Christ zu sein heiße, so betonte der Papst, auf das Licht zu sehen und das Glaubensbekenntnis weiterhin im Licht abzugeben, auch wenn die „Welt von Nacht und Dunkel umhüllt ist.“
Zwar seien auch die Christen vor dem Dunkel nicht gefeit, doch, dank ihrer Taufe, seien sie „geostet“: „Wir sind diejenigen, die glauben, dass Gott Vater ist! Wir sind keine Waisen, wir haben einen Vater und dieser Vater ist Gott. Wir glauben, dass Christus mitten unter uns gekommen ist, und sich zum Begleiter vor allem der Ärmsten und Zerbrechlichsten gemacht hat: Das ist das Licht! Wir glauben, dass der Heilige Geist ohne Unterlass für das Wohl der Menschheit und der Welt arbeitet, und selbst die größten Schmerzen der Geschichte überwunden werden: Das ist die Hoffnung, die uns jeden Morgen aufs Neue erweckt.“
Das Entzünden der Taufkerze symbolisiert die Verbreitung der Auferstehung
Ein weiterer signifikanter Ritus im Rahmen der Taufe, so erinnerte der Papst, ist das Entzünden der Taufkerze an der Osterkerze, die in der Osternacht das Dunkel durchbricht und die Auferstehung Christi symbolisiert. Mit diesem Gestus erinnere man an die langsame Verbreitung der Auferstehung Jesu in die Leben aller Christen, so der Papst. „Das Leben der Kirche - jetzt werde ich ein etwas starkes Wort verwenden - ist Ansteckung durch Licht,“ betonte er. Die „schönste Aufforderung“, die wir uns gegenseitig machen könnten, sei diejenige, uns „stets an unsere Taufe zu erinnern“ - und dies sei eine Aufgabe für jeden einzelnen: sich an das Datum der Taufe zu erinnern, an dem wir „mit dem Licht Christi angesteckt worden sind.“
„Wir sind zweimal geboren", fuhr der Papst fort, „das erste Mal zum natürlichen Leben und das zweite Mal im Taufbecken, dank der Begegnung mit Christus. Dort sind wir für den Tod gestorben, um als Kinder Gottes in dieser Welt zu leben. Dort sind wir menschlich geworden, wie wir es uns niemals hätten vorstellen können! Das ist der Grund, aus dem wir alle den Duft des Chrisams verbreiten müssen, mit dem wir am Tag unserer Taufe gezeichnet worden sind.“
Zum „Christopherus“ werden
Es sei eine Gnade, wenn ein Christ tatsächlich „Christopherus“, also ein Träger Christi in der Welt werde, fuhr der Papst fort. Dies heiße, auch in schwierigen Situationen nicht die Hoffnung zu verlieren und vor allem denjenigen beizustehen, die schwierige Situationen durchlebten. „Was wird man in der Zukunft, in der man die Geschichte unserer Tage schreibt, über uns sagen? Dass wir zur Hoffnung fähig waren, oder dass wir unser Licht unter den Scheffel gestellt haben Wenn wir unserer Taufe treu sind, werden wir das Licht der Hoffnung Gottes verbreiten und den zukünftigen Generationen einen Grund für das Leben übermitteln.“
(rv 02.08.2017 cs) 

 

Angelus Gebet

Papst ruft zu Gebet für Portugiesen auf

Papst Franziskus hat zu Gebet für die von schweren Waldbränden getroffenen Portugiesen aufgerufen. Im Anschluss an das traditionelle Mittagsgebet auf dem Petersplatz gedachte er im stillen Gebet der Menschen, die durch die Brände getötet oder verletzt wurden. (rv)


Papst Franziskus hat zu Gebet für die von schweren Waldbränden getroffenen Portugiesen aufgerufen. Im Anschluss an das traditionelle Mittagsgebet auf dem Petersplatz gedachte er im stillen Gebet der Menschen, die durch die Brände getötet oder verletzt wurden. Bereits knapp sechzig Menschen sind den Waldbränden in der Region von Pedrógão Grande zum Opfer gefallen, zahlreiche Anwohner wurden evakuiert.
Am kommenden Dienstag, so erinnerte der Papst die Anwesenden, werde der Welttag des Flüchtlings begangen. Er forderte dazu auf, Flüchtlingen auch persönlich zu begegnen, um Ängste abzubauen und „verdrehte Ideologien“ zu zerstreuen. Die „konkrete Aufmerksamkeit“ gehe an Frauen, Männer und Kinder, die vor Konflikten, Gewalt und Verfolgung flöhen. Man solle für diejenigen beten, die auf dem Meer oder bei kräftezehrenden Überlandreisen ihr Leben verloren hätten, so die Bitte des Papstes. „Ihre Geschichten von Schmerz und Hoffnung können die Gelegenheit zu einer geschwisterlichen Begegnung und wahrem gegenseitigem Kennenlernen bieten.“
Der Papst kündigte außerdem an, an diesem Dienstag die Gräber von zwei italienischen Priestern zu besuchen, und dankte für das Gebet, das ihn auf dieser Reise begleiten werde.
Einen besonderen Gedanken reservierte er für die Delegation der Zentralafrikanischen Republik, die derzeit in Rom gemeinsam mit Vertretern der Vereinten Nationen und auf Einladung der Basisgemeinschaft Sant´Egidio an Friedensgesprächen teilnimmt. „Ich trage den Besuch, den ich im November 2015 in diesem Land gemacht habe, im Herzen“, so der Papst wörtlich. „Ich hoffe, dass mit der Hilfe Gottes und dem guten Willen aller der Friedensprozess wieder vollständig aufgenommen und gestärkt werde.” Dies sei, so betonte der Papst, eine notwendige Bedingung für Entwicklung.
Er werde an diesem Abend in der Lateransbasilika die Heilige Messe feiern, der die Prozession mit dem Allerheiligsten folgen werde, erinnerte Papst Franziskus noch. Er lade alle dazu ein, diesem Gottesdienst auch spirituell, über Radio oder Fernsehen, zu folgen. Dabei denke er insbesondere an Klausurgemeinschaften, Kranke oder Gefängnisinsassen.
Radio Vatikan überträgt den Gottesdienst und die anschließende Prozession ab 18.55 Uhr live und mit deutschem Kommentar über VaticanPlayer, Youtube und Facebook sowie über diverse Partnersender. 

 

 

 

 

29/03/2017 11:59SHARE:


Die enge Verbindung zwischen Glaube und Hoffnung hat Papst Franziskus bei der Katechese im Rahmen seiner Generalaudienz an diesem Mittwoch betont. Er meditierte vor rund 40.000 Gläubigen über den Brief des Apostel Paulus an die Römer, in der Paulus das Beispiel Abrahams anführt. Dieser gibt, trotz seines nahenden Todes und der Unfruchtbarkeit seiner Frau Sara, das Vertrauen in Gott nicht auf. Damit werde Abraham nicht nur „Vater des Glaubens“, sondern auch „Vater in der Hoffnung“, so Papst Franziskus bei seiner 16. Katechese zum Thema Christliche Hoffnung. Denn seine Geschichte verweise bereits auf die Auferstehung und neuen Lebens, das das Böse und den Tod selbst besiege, betonte er:
„Im Text heißt es, dass Abraham dem Gott glaubte, ,der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft (Rm 4,17)´; und dann wird ausgeführt: ,Ohne im Glauben schwach zu werden, war er, der fast Hundertjährige, sich bewusst, dass sein Leib und auch Saras Mutterschoß erstorben waren.´ Sieh, das ist die Erfahrung, die auch wir gerufen sind zu leben. Der Gott, der sich Abraham zeigt, ist der Gott, der rettet, der Gott, der aus der Verzweiflung und dem Tod heraus hilft, der Gott, der zum Leben ruft.“
Die Geschichte Abrahams sei zur Gänze ein Lobpreis Gottes, der erneuert und befreit, fuhr Papst Franziskus fort. Dieses Geheimnis feierten nun auch wir, in Kürze, mit dem Osterfest, denn „Gott hat Jesus von den Toten auferweckt,“ was auch für uns die Möglichkeit zur Auferstehung bedeute. Damit könne Abraham sich mit Recht als „Vater vieler Völker“ bezeichnen, betonte Franziskus.
„Paulus schärft unseren Blick für die enge Verbindung zwischen Glauben und Hoffnung. Er betont in der Tat, dass Abraham ,Gegen alle Hoffnung […] voll Hoffnung geglaubt´ hat. Unsere Hoffnung fußt nicht auf Überlegungen, Planungen und menschlichen Versicherungen; und sie tritt dort in Erscheinung, wo es keine Hoffnung mehr gibt, wo nichts mehr zu hoffen ist, gerade so wie es bei Abraham war, angesichts seines nahen Todes und der Unfruchtbarkeit seiner Frau.“
Diese große Hoffnung wurzele im Glauben, betonte der Papst, und gerade deshalb sei es ihr möglich, über sich selbst hinauszuwachsen. Wir seien aufgerufen, dem Beispiel Abrahams zu folgen, der trotz seiner objektiv hoffnungslosen Situation auf Gott vertraue.
„Ich würde euch gerne eine Frage stellen: Wir, wir alle, sind wir davon überzeugt? Sind wir davon überzeugt, dass Gott uns liebt und dass er bereit ist, all seine Versprechen zu erfüllen? Aber, Pater, was müssen wir dafür bezahlen? [Der Herr antwortet:] “Es gibt einen Preis: Das Herz öffnen.“ Öffnet eure Herzen und diese Kraft Gottes wird voran bringen und wunderbare Dinge vollbringen und euch lehren, was die Hoffnung ist. Das ist der einzige Preis: Das Herz für den Glauben öffnen, und Er wird den Rest erledigen.“
(rv 29.03.2017 cs)
PapstFranziskusGeneralaudienz

 

 

 

Kurienreform à la Franziskus
Veröffentlicht am 22. Dezember 2016


Alle Jahre wieder, ist man versucht zu sagen: Der Papst setzt die Reform der Kurie auf die Tagesordnung, und zwar immer beim Weihnachtsempfang für die höheren Kurienmitarbeiter, vor allem also die Kardinäle und Bischöfe, die in der Kurie – den Dikasterien, wie das hier heißt – arbeiten.


Papstansprache in diesem Jahr

Diese Ansprachen an die höheren Kurienmitarbeiter finden traditionell jedes Jahr statt, der Papst wünscht ein Frohes Fest und nutzt die Gelegenheit zu grundsätzlichen Überlegungen. Das erste Mal wirklich öffentliche Aufmerksamkeit bekam diese Ansprache aber erst 2005, als Papst Benedikt XVI. diesen Rahmen nutzte, um über die Hermeneutik der Reform zu sprechen, die er einer Hermeneutik des Bruchs gegenüber setzte.
„Reform“ war also schon bei Benedikt Thema, seit dem Amtsantritt von Franziskus ist das aber noch systematischer geworden, und der Papst sagt auch, warum: Das sei dem zu wählenden Papst vom Konklave mitgegeben worden.

Im vergangenen Jahr hat Papst Franziskus betont, dass die Reform der Kurie „mit Entschlossenheit fortgesetzt“ wird. Das Jahr zuvor hatte er eine der am meisten berichteten Ansprachen gehalten, die berühmt gewordenen fünfzehn Krankheiten der Kurie, „spiritueller Alzheimer“ ist hängen geblieben. Diese Ansprache hat er dann 2015 wieder aufgegriffen: „Einige dieser Krankheiten sind im Laufe dieses Jahres aufgetreten; sie haben dem gesamten Leib nicht unerhebliche Schmerzen zugefügt und viele Menschen innerlich verletzt.“

 

„Reform“ war schon bei Benedikt Thema
 

Dieses Jahr also wieder, und zwar zwölf – kurze und knappe – Kriterien für eine Reform. Das die einzelnen Ansprachen auch innerlich zusammen hängen, wird nicht nur dadurch deutlich, dass der Papst sich selber zitiert und diese Zusammenhänge auch deutlich macht. Man sieht es auch ganz konkret, wenn man sich die Reformschritte ansieht, die um uns herum passieren.

Zwei Dinge sind wichtig: Erstens der Gedanke der Bekehrung. In allen Ansprachen kommt die persönliche Ebene vor der strukturellen. Reform macht nur Sinn und ist nur nachhaltig, wenn sie den Einzelnen reformiert, oder besser: wenn dieser sich bekehrt. Ohne Jesus im Zentrum funktioniert gar nichts, möchte ich das übersetzen.

Zweitens: die Schattenseiten. Heute waren es die „bösartigen Widerstände“, die der Papst nannte, in der Vergangenheit die Krankheiten etc. Man darf nicht naiv sein bei der Umsetzung von Reform, scheint der Papst zu sagen.

Franziskus ist realistischer geworden. Die zwölf Kriterien sind geerdeter als die Tugenden oder zuvor die Barmherzigkeit und die Krankheiten. Und das ist ja auch folgerichtig, das sind die „Mühen der Ebene“. Die Reform geht weiter.

 

Nachtrag

In einem frei gehaltenen Teil im Anschluss an die Rede in diesem Jahr berichtet der Papst, woher er den Gedanken der fünfzehn Krankheiten hat. Ich bin ein wenig froh, dass ich mit meiner Diagnose vor einiger Zeit recht hatte. Das tut auch mal gut.

 

 

80. Geburtstag vom Heiligem Vater

 

Allen wünsche ich einen schönen Tag. Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen, und betet für mich!

 

 

 

Juni 2018 -Soziale Netzweke nutzen ( Papst Franziskus)                                            Helfen Sie den Christen im Heiligem Land